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Expedition 1804 - 1806

Montag, der 14. Mai 1804 war ein regnerischer Tag. Im Camp Dubois (Camp Wood) in der Nähe der Stadt St. Louis herrschte reges Treiben. Das "Corps of Discovery"  unter Leitung von Captain Meriwether Lewis und Captain William Clark traf letzte Vorbereitungen für den Start ihrer Expedition.

Pirogue

(Originalzeichnung)

(Nachbau)

Sqaw
Gemälde von Karl Bodmer

Als dann  am Nachmittag die  Boote zu Wasser gelassen wurden (1 Kielboot, auf dem mehr als 10 Tonnen Fracht und 28 Mann transportiert werden konnten und 2 Piroguen mit 7 bzw 6 Mann)  begann eine der größten Entdeckungsreisen in der Geschichte der USA.
Präsident Thomas Jefferson hatte schon jahrelang geplant, den völlig unbekannten und von Weißen niemals zuvor betretenen Westen des nordamerikanischen Kontinents zu erforschen.

Nach mehreren vergeblichen Anläufen bestimmte er am 4. Juli 1803 seinen Privatsekretär, den Captain (Hauptmann) der Infanterie Meriwether Lewis zum Leiter eines neu aufzustellenden Expeditionscorps.
Lewis wurde 1774 in Virginia als Sohn einer angesehener Pflanzerfamilie in der unmittelbaren Nachbarschaft von Jeffersons Landsitz geboren. So war es kein Zufall, daß der Präsident bereits 1801 diesen jungen Offizier zu seinem persönlichen Adjutanten machte, vielleicht auch deshalb, weil er dessen Neugierde und Begeisterung für den "wilden Westen" kannte und wußte, daß er  die Fähigkeit besaß, in der Wildnis zu überleben. Als Vorbereitung auf die Expedition eignete sich Lewis darüber hinaus unfangreiche Kenntnisse in Geologie, Botanik und Zoologie  an und erlernte für die Navigation und Standortbestimmungen den Umgang mit dem Sextanten.
Als gleichberechtigten Leiter der Expedition wählte Lewis seinen ehemaligen Armee-Vorgesetzten und Freund, den  4 Jahre älteren William Clark, der zwar nur Leutnant war, jedoch  während der Expedition grundsätzlich als Captain angesprochen wurde und nach der Rückkehr offiziell diesen Dienstgrad erhielt. Clark, der ebenfalls aus Virginia stammte, hatte bereits in seiner Jugend Erfahrungen in der Wildnis von Kentucky gesammelt  und  bildete mit Lewis ein ideales Team. Zu keiner Zeit hat es zwischen den beiden Rivalitäten oder Streitereien gegeben obwohl doch so unterschiedliche Charaktere bestanden: während Lewis oftmals  melancholisch und introvertiert, ja  gelegentlich auch launisch war, gab sich Clark eher gesellig und umgänglich. Die Aufgaben waren aufgeteilt, so war Clark für  Navigation und Karthografie  verantwortlich, während Lewis am Ufer jagte,  Proben  sammelte und Skizzen von Pflanzen, Tieren und Landschaften anfertigte.

Die Männer wählten für die Expedition aus einer großen Zahl von Bewerbern sorgfältig ca  40 erfahrene Soldaten  und Trapper aus, die namentlich bis auf den heutigen Tag bekannt sind. Nur einer von ihnen kehrte nicht zurück. Es war Sergeant Charles Floyd, der anhand der aufgezeichneten Symptome wohl an einer perforierten Appendizitis gestorben ist.
Zur Ausrüstung der Reise gehörten neben Waffen, Lebensmittel und Geschenken für die Indianer, medizinische Geräte und Sextanten für die Navigation und Standortbestimmung. Als Transportmittel dienten ein ca. 18 m langes Kielboot und 2 Pirogen (Einbäume).
Der von Präsident Jefferson erteilte Auftrag war umfassend und präzise, er liegt noch heute als handgeschriebenes Original vor. Der Kernsatz dieses Briefes "Object of your Mission" lautet:
Der Gegenstand Ihrer Mission ist es, den Missouri und andere Hauptflüsse darauf hin zu erkunden, ob es zum Zwecke des Handels eine Wasserverbindung des Mississippi mit dem Pazifik quer durch den Kontinent gibt...”
Daneben sollte das Corps geografische Aufzeichnungen des Landes anfertigen, Informationen über Resourcen, Flora und Fauna einholen und mit den Indianerstämmen freundschaftliche Kontakte knüpfen.
Im Laufe des Sommers arbeiteten sich die Männer mühsam ihren Weg stromaufwärts. Immer wieder behinderten Sandbänke, schwimmende Baumstämme oder auch Begegnungen mit Indianern die Fahrt.
Am 25. September kam es zur ersten ernsthaften Auseinandersetzung mit Teton Sioux Indianern. Lewis und Clark hatten deren Häuptling Black Buffalo an Bord ihres Kielbootes eingeladen, um zu verhandeln. Als der Häuptling nach ergebnislosen Verhandlungen wieder an Land gebracht wurde, hinderten feindlich gesonnene Indianer das Boot an der Weiterfahrt. Angeblich habe der Häuptling an Bord nicht genügend Geschenke erhalten. Clark sah sich gezwungen, sein Schwert zu ziehen und Capt. Lewis beorderte alle Mann unter Waffen, um sich den Indianer, deren Pfeile auf Clark gerichtet waren, entgegen zu stellen. Clark befahl seinen Männern mit eiserner Miene zurück zu rudern. Die Ruhe, die er dabei ausstrahlte und der Mut, den er  bewies, beeindruckte die Indianer so sehr, dass sie ihre Waffen senkten und sich zurückzogen.

Begegnung mit Indianern. Gemälde v. Karl Bodmer



Durch dieses Ereignis, das sich wie ein Lauffeuer bei den Indianerstämmen herumsprach, erwarben sich Lewis und Clark die Hochachtung vieler Stämme, denen sie in der Folgezeit begegneten.
Anfang November kam das Corps in das Gebiet der Mandan und Hidatsa Indianer in North Dakota. Da bereits Minustemperaturen herrschten und Eisschollen auf dem Wasser schwammen, beschlossen die Männer, hier in einem Pappelwald  ihr Winterlager zu errichten, das sie zu Ehren der  Indianer Fort Mandan nannten.

indianerstamme_1_02


Von hier aus traten 16 Männer mit dem Kielboot den Rückweg an, um dem Präsidenten wertvolle Informationen und erstes Kartenmaterial zu bringen. Gleichzeitig wurden neue Leute angeheuert, zu denen der franz.-kanadische Trapper Toussaint Charbonneau und seine junge Indianerfrau Sacajawea gehörte. Diese Frau ist  zu einer Legende geworden   und bis auf den heutigen Tag nach den beiden Führern die bekannteste Teilnehmerin. Sie war vom Stamme der Shoshone-Indianer und wurde mit etwa 12 Jahren in ihrer Heimat in der Nähe von Three Forks geraubt und nach North Dakota verschleppt. Dort nahm sie nur wenige Jahre später Carbonneau zur Frau.  Sacagawea sollte sich im Laufe der Expedition als unersetzbare Helferin bei der Beschaffung von Pferden und Proviant sowie im Umgang mit den Indianern erweisen. Im Februar 1805 gebar sie einen Sohn, der den Namen Jean Baptiste erhielt, aber von den Männern nur Pompey genannt wurde  Sacagawea wurde im Jahre 2000 vom Kongreß nachträglich zum Sergeant ernannt
Bis zum Winterlager in der Nähe des heutigen Washburn (North Dakota) hatte das Expeditionscorps 1600 Meilen zurück gelegt, was einem Tagesschnitt von 11 Meilen bedeutet. Hier verbrachten die Männer den Winter. Teilweise hatten sie Mühe, die gegenseitigen Eifersüchteleien der verschiedenen Indianerstämme zu schlichten. Im allgemeinen war es aber eine friedliche Zeit. Man ging mit den Mandans auf Büffeljagd und obwohl man eigentlich eine Menge Fleisch benötigte, verzehrten die weißen Männer nur die Büffelzunge.
Ansonsten beschäftigten die Captains ihre Soldaten mit Reparaturarbeiten, dem Bau neuer Kanues und dem Anfertigen von Mokkasins für die lange Reise. Gelegentlich wurden zusammen mit den Mandans auch Feste gefeiert, auf denen Private Cruzatte die Geige spielte Clarks Sklave York tanzte und auch die Indianer ihre Stammestänze aufführten.

Mandan-Tanz


Als im Frühjahr das Eis langsam schmolz, traf man letzte Vorbereitungen für die Weiterfahrt. Zu dieser Zeit war Lewis außerordentlich optimistisch und schrieb seinem Präsidenten, daß er hoffe, den Pazifik im Sommer zu erreichen  und auf der Rückfahrt dann wieder im Fort Mandan zu überwintern.
 

Kielboot von lewis u clark1

Kielboot

 

Fort Mandan

(Außenansicht)

(Innenhofansicht)